von M.J. Müncheberg
Europa wächst. Dass es auch zusammenwächst, dafür
sorgt zum Beispiel das Gemeisnschaftsprojekt "Grenzen
checken" des Diakonischen Werkes Neukölln-
Oberspree: Zwölf Jugendliche aus Prag und 14
Berliner Jugendliche haben dabei in deutschtschechischen
Gruppen gelernt, wie ein Boot gebaut
wird. Tatkräftige Unterstützung erfuhren die
Berufsschüler etwa beim „Land-in-Sicht-
Ausbildungsprojekt Mädchenschiff“ (Lisa) in Oberschöneweide.
Zusammen hobelten, feilten,
sägten und lackierten die Jugendlichen und jungen
Erwachsenen heimische Lärche und Eiche. Bei der
Taufe der beiden neu gebauten Viermeter-
Gebrauchsruderboote beim SV Rahnsdorf zeigten die
Jugendlichen am Sonnabend, dass sie die
anspruchsvolle Aufgabe gelöst haben.
Zwei Wochen der Beschäftigung mit neuen
Arbeitstechniken und des kennen Lernens kultureller
Unterschiede liegen hinter den 17- bis 20-Jährigen.....
Morgenpost/Artikel
von Jutta Hess
„Horst-Günther“ ist ein Lastkahn. 1920 wurde das klobige Schiff vom Stapel gelassen und 1993, nach sieben Jahrzehnten Geschippere auf den märkischen Wasserstraßen, war es schrottreif. Dass man den Kahn nicht zu Kleinholz verarbeitete, hat er dem Verein LiSA zu verdanken. 2001 segelte "Horst- Günther" wieder bei einer Regatta auf dem Berliner Müggelsee. Seine Crew an Board waren eben jene jungen Frauen, die ihn wieder aufgebaut hatten. Als seine Retterinnen sich vor 13 Jahren "Horst- Günthers" annahmen, sah es um die Jugendlichen nicht viel besser aus als um den abgetakelten Kahn. Ihre Lebensläufe waren geprägt durch soziale Benachteiligung, Gewalt- oder Missbrauchserfahrung, Drogenkonsum, psychische Beeinträchtigungen oder Lernbehinderung. Heute sind sie Bootsbauerinnen. Der Verein LiSA (Land in Sicht - Ausbildungsprojekte) fördert auch nach der Fertigstellung von "Horst- Günther" weiter Jugendliche und junge …. taz/Artikel
von Kai Walter
Um es gleich klar zu stellen, LiSA ist kein reines
»Mädchenschiff« mehr, und LiSA ist auch nicht mal
ein Schiff. Der 18-jährige Steven aus Berlin-Prenzlauer
Berg ist der erste männliche Azubi an Bord, und
Lehrmeister Bernd Klenke ist ohnehin nicht
wegzudenken. Und dann gibt es da noch »Horst-
Günther«. Das Schiff, welches eigentlich ein Kahn ist,
soll ein Symbol sein. Ein Ort, von jungen Menschen
geschaffen für junge Menschen. Über viele Jahre von
LiSA-Azubis ausgebaut, liegt der Kahn zurzeit aus
rechtlichen Gründen ungenutzt im Historischen Hafen
von Berlin. Ungeachtet solcher Untiefen nimmt LiSA
jedoch bereits Kurs auf zu neuen Ufern.
Melanie, 22 Jahre, zieht sich die Schutzhandschuhe
über, bevor sie das Harz anrührt und auf
Sperrholzbrettchen streicht. Sie repariert die
gebrochene Halterung für das Schwert eines alten
reparaturbedürftigen Segelboots vom Typ »Pirat«. Ihr
Tun und ihre Körpersprache vermitteln
Selbstbewusstsein. Sie fühlt sich sichtbar gut bei LiSA
e.V. in Berlin-Schöneweide. Nach dreieinhalb Jahren
steht sie kurz vor der Beendigung ihrer Ausbildung zur
Bootsbauerin. Dass sie die 9. Klasse in der
Gesamtschule zweimal machen musste, ist
Vergangenheit. Und auch die vergeblichen
Bemühungen, mit einem erweiterten
Hauptschulabschluss eine Berufsausbildung zu
bekommen, scheinen vergessen. »Als Bootsbauerin
bieten sich viele Möglichkeiten«, blickt Melanie
optimistisch in die Zukunft.
Lernen für das Leben
»Kein Jugendlicher darf den Eindruck haben, in der
Gesellschaft nicht gebraucht zu werden«, hat
Bundesbildungsministerin Annette Schavan erst jüngst
betont. Unternehmen und Behörden sollen Angebote
zur Ausbildung und Qualifizierung von Jugendlichen
machen. »Schaffen sie Ausbildungsplätze! Bilden sie
möglichst auch über den eigenen Bedarf hinaus aus!
«, fordert die Ministerin. LiSA bietet an und bildet aus.
Vor allem Jugendliche, die aus verschiedenen
Gründen Schwierigkeiten haben, anderswo Lehrstellen
zu bekommen. Oft ist es eine Summe kleiner und
großer Alltagsprobleme, welche die Jugendlichen
daran hindert, sich konsequent beruflich zu
qualifizieren. Fast immer ist es fehlender Glaube an
das Ziel und der Mangel sozialpädagogischer
Unterstützung in anderen Ausbildungsformen.
Die Finanzierung erfolgt über die Bezirksämter, die im
Rahmen ihrer Jugendberufshilfe jungen Frauen eine
Ausbildung zur Bootsbauerin oder Tischlerin bei LiSA
ermöglichen können.......
ndonline.de/Artikel